Die Beharrlichkeit, mit der die ›alternativen Medien‹ sich als alternativ anpreisen, hat etwas Alternativloses. 

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Wer ›Stimme der Mehrheit‹ sein will, muss den Anspruch erheben ›regulär‹ zu sein. Das regelt die Ansprüche zuverlässig herunter.

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Beim heutigen Tempo wird es noch fünfzig Jahre und mehr dauern, bis die Gesetze der Netzinformation ›angekommen‹ sind. (Gilt nur für die Verliererbank, auf der die alten Zivilisationen sitzen.)

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Was sich wenige klarmachen: Die einfache Zeitungslektüre setzt jahrhundertelange Konditionierung voraus. Sie zerfällt rasch, aber die neuen Lesermentalitäten bleiben noch lange wirr. Das lässt die effektivsten Beeinflussungsmethoden zugleich subtil und primitiv erscheinen.

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Man sagt nicht ›regulär‹, man sagt ›Mainstream‹. Das ist amerikanisch und heißt: »Schwimm mit! Wer nicht schwimmen kann, geht unter.«

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Zeitungslektüre: die tägliche Wiederaufrichtung der Weltbilder. Davon blieb nur ein Traum, vielleicht weniger: ein Klümpchen Spucke.

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Menschen, die ein Stück Papier in Händen halten müssen, um zu glauben, was sie lesen, müssen sehr glaubensstark (oder unwissend) sein. Aber wahrscheinlich machen sie sich und anderen nur etwas vor. Wie fast alle Kulturtechniken weckt auch diese die Liebe zum materiellen Träger. Kann schon sein, dass sie den Verlust der Funktion überdauert. Liebhaber finden sich immer.

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Information im Netz ist Konterbande. Sie verbreitet sich schneller als jeder Kauf (und jede Verhütung). Wer diesen ›Sumpf‹ trockenlegen will, muss den Fluss zum Erliegen bringen. Einfach ist das nicht. Es scheint bloß einigen so.

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Der Achtzigjährige, der ›seine Zeitung braucht‹, verschweigt, dass er die Netzadressen nicht findet. Immerhin weiß er, dass dort draußen das Böse lauert.

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Immer wenn die ›klassischen Medien‹ stürmen, steigen die modernen eine Klasse höher. Die Formel dafür könnte lauten: Wachsen vor dem Wind.

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Man informiert sich bei den Alternativen darüber, was einem die Regulären verschweigen. Schließlich will man erfahren, was ›in der Regel‹ verschwiegen wird. Das hat seinen Reiz, aber er braucht sich auf. Am Ende will man darüber informiert werden, was vorgeht – zügig, ohne Umschweife und vor allem: über das volle Spektrum. Dafür gibt es seit altersher Sparten.

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Die ewigen Alternativen sind Getriebene ihrer Leser(oder Hörer-)schaft.

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Zwillingskonkurrenz garantiert tote Rennen. Jedenfalls auf mittlere Sicht. Bricht einer (zu spät!) zusammen, ist der andere siecher.

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Rennen lassen sich schwer mit Anhängern fahren. Das gilt vor allem dann, wenn sie geladen sind. Siegertypen brauchen Publikum.

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Information, die mit einem Augenzwinkern verabreicht wird (»Das gibt es nur bei uns!«), ruft beim Massenmenschen die Angst hervor, einem verbotenen Tun beizuwohnen. Ein paar Anzeigen reichen, um die Herde zu vertreiben.

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Die meisten der frühen Versuche, digitale Kommunikation zu begreifen, bauten auf den Begriff der Simulation. Bei den Mächtigen ist hängengeblieben: Simulieren und simulieren lassen! Und jeder weiß es.

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Die Wahrheit ist trivial: Sie setzt sich durch, gleichgültig, welche Technik diesmal zum Einsatz kommt.

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Wer auf den Konsens der Wissenschaft baut, setzt sich zwischen alle Stühle. Wer auf den Konsens der Medien baut, muss sie alle kaufen.

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Es gilt das Informationsparadox: Marktmacht + Staatsmacht = Ohnmacht. Das sollten alle Parteien beherzigen.

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Wer alles ›Blog‹ nennt, was sich im Netz der Meinungen tummelt, ist aus der Zeit gefallen. Er kommt auch nicht mehr hinein.

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Es besteht ein tiefer Zusammenhang zwischen Tabu und Hetze. Tabus werden mittels Hetze durchgesetzt. Unter den zivilisatorischen Tabus ist die Hetze ein Zwitter.

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Die Wahrheit hat etwas Dämonisches. Der Satz bleibt richtig, auch wenn die Lüge sich seiner bedient.

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Information ist parteiisch. Sie hat die Sphäre des Urteils bereits passiert, bevor der Verstand sich einschaltet. Wer nicht sieht, welche Partei gerade das Sagen hat, der besitzt kein Urteil in der Sache.

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Der Versuch, alles zur Information zu machen, endet im Chaos.

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Über Seriosität im Netz (und die Adressen, unter denen sie zu finden ist) lassen sich Bände schreiben. Das kann manipuliert werden.

 

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